Thure Erik Lund

(Born 1959 in Vikersund) 

Thure Erik Lund gilt als eine der markantesten Stimmen der gegenwärtigen norwegischen Literatur. Eigentlich Tischler, gab er sein literarisches Debüt 1992 mit dem Roman Tanger. Wie Lunds folgende Werke – Romane, Essays und Erzählungen – zeichnet er sich durch gesellschaftskritische Perspektiven und komplexe sprachliche Strukturen aus. Lunds Grøftetildragelsesmysteriet (1999), eine kompositareiche Variation auf die norwegischen ›Geistesmenschen‹, erschien 2019 unter dem Titel Grabenereignismysterium als bislang einziger ins Deutsche übersetzte Roman. Vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2009 mit dem Aschehoug-Preis und dem Dobloug-Preis der Schwedischen Akademie, betreibt Lund nach wie vor sein Tischlereiunternehmen in Vikersund.

Als ich vor sechs Jahren vom Königlichen Norwegischen Kulturministerium die Aufgabe erhielt, ein sogenanntes Gutachten über das Problem zu schreiben, das bei der Bewahrung der Kulturdenkmäler im Hinblick auf die im Laufe der Zeit immer weiter abnehmende Authentizität kraft der Bewahrung entsteht, das heißt, über das Selbstdestruktive und Selbstwidersprüchliche daran, in Norwegen sogenannte Kulturdenkmäler zu errichten, wurde ich durch diese Arbeit dazu verlockt, eine Geistesmenschenattitüde anzunehmen, obwohl ich fast unbewusst einen eigenen und einzigartigen Geistesmenschendreh eingeschlagen hatte, oder, ich fand vielmehr heraus, dass mir diese Geistesmenschenattitüde dabei helfen konnte, eine größere Einsicht in die Kulturdenkmalsproblematik zu erhalten.

Thure Erik Lund: Das Grabenereignismysterium, übers. von Matthias Friedrich, Graz, Wien: Droschl 2019, S. 15.

Original Quotes

»Da jeg for seks år siden fikk i oppgave fra Det kongelige norske kulturdepartement å skrive en såkalt betenkning over problemet som oppstår med vern av kulturminner i forhold til kulturminnenes stadig minskende autentisitet i tiden i kraft av verningen, det vil si det selvdestruktive og selvmotsigende ved å opprette såkalte kulturminner i Norge, ble jeg gjennom dette arbeidet lokket til å anta en åndmenneskeattityde, til tross for at jeg nærmest ubevisst hadde staket opp en egen og unik åndsmenneskedreining, eller, jeg fant ut at denne åndsmenneskeattityden kunne hjelpe meg til å f å større innsikt i kulturminneproblematikken.« (Thure Erik Lund: Grøftetildragelsesmysteriet, Oslo: Aschehoug 1999, S. 15.)