Antonio Tabucchi
Die Frau wollte mir die Pendeluhr auf das Nachtkästchen stellen, dann weißt du wenigstens, wie spät es ist, sagt sie, du brauchst nur den Kopf zu drehen und weißt immer die Uhrzeit, du fragst ja ununterbrochen, wie spät es sei. Ich habe ihr geantwortet, daß mir das Ticken auf die Nerven gehe, aber sie hat nicht nachgegeben. Unter der Glasglocke hört man doch kein Ticken, sagt sie, nicht einmal ein Schwindsüchtiger würde es hören. Ein Schwindsüchtiger nicht, aber ich schon, ich höre alles… der Holzwurm, der den Schrank zerfrißt, macht nachts einen unerträglichen Lärm, es klingt wie eine Stimme in einer Höhle… es ist ein Schrank aus Kastanienholz, Holzwürmer mögen Kastanienholz, je trockener, desto mehr mögen sie es, bei Holzwürmern kenne ich mich aus… genau das habe ich zu ihr gesagt, bei Holzwürmern kenne ich mich aus, Renate, das muß man am eigenen Leib erfahren haben, wirf einen Blick auf mein Bein…
Antonio Tabucchi: Tristano stirbt: Ein Leben, übers. von Karin Fleischanderl, München: Hanser 2005, S. 49f.